Privatpraxis für funktionelle & regenerative Orthopädie und Osteopathie in Memmingen

« Zurück

Stoßwellentherapie: Gewebe gezielt behandeln, Belastbarkeit wieder aufbauen

Wie fokussierte und radiale Stoßwellen bei ausgewählten Sehnen-, Muskel- und Gelenkbeschwerden eingesetzt werden können

Die Ferse schmerzt bei den ersten Schritten am Morgen. Der Ellenbogen meldet sich bei jedem Griff. Eine Kalkschulter macht das Heben des Arms unangenehm oder eine Sehne bleibt trotz Entlastung empfindlich.

Wenn Beschwerden immer wiederkehren, reicht es häufig nicht, nur darauf zu warten, dass sie von allein verschwinden. Gleichzeitig braucht auch nicht jede schmerzende Struktur dieselbe Behandlung.

Die Stoßwellentherapie bietet die Möglichkeit, ausgewählte Bereiche gezielt von außen zu behandeln. In meiner Praxis setze ich dabei je nach Befund fokussierte oder radiale Verfahren ein.

Entscheidend ist für mich allerdings nicht das Gerät allein.

Die Stoßwelle ist ein Werkzeug. Sinnvoll wird sie erst dann, wenn klar ist, welche Struktur behandelt werden soll und welche Aufgabe das Verfahren im gesamten Behandlungsweg übernimmt.

Was ist eine Stoßwellentherapie?

Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie – kurz ESWT – werden akustische Druckimpulse von außen über die Haut in den zu behandelnden Bereich übertragen.

Anders als der Name manchmal vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um einen elektrischen Schlag und auch nicht um eine klassische Ultraschallbehandlung.

In der Orthopädie kommen vor allem zwei Formen zum Einsatz:

  • Fokussierte Stoßwellen bündeln ihre Energie in einem definierten Bereich in der Tiefe des Gewebes.

  • Radiale Druckwellen wirken flächiger und haben ihre höchste Energie näher an der Körperoberfläche.

Welche Variante sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, welche Struktur betroffen ist, wie tief sie liegt und welches Behandlungsziel verfolgt wird. Die International Society for Medical Shockwave Treatment unterscheidet entsprechend fokussierte Stoßwellen und radiale Druckwellen und führt für beide unterschiedliche technische Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten auf.

Fokussiert oder radial: Was ist der Unterschied?

Eine fokussierte Stoßwelle kann gezielt auf einen räumlich begrenzten Bereich ausgerichtet werden. Das ist beispielsweise interessant, wenn tiefer gelegene Strukturen oder klar lokalisierbare Veränderungen behandelt werden sollen.

Bei radialen Druckwellen verteilt sich die Energie stärker von der Hautoberfläche ausgehend. Sie können deshalb unter anderem für oberflächlicher gelegene Muskel-, Sehnen- oder Faszienbereiche eingesetzt werden.

Es geht also nicht darum, welche Technik grundsätzlich „besser“ ist.

Die entscheidende Frage lautet:

Welche Form passt zu Ihrer Beschwerde und zu der Struktur, die wir behandeln möchten?

Bei welchen Beschwerden kommt die Stoßwellentherapie infrage?

Die Stoßwellentherapie wird heute vor allem bei verschiedenen länger bestehenden Beschwerden des Bewegungsapparats eingesetzt.

Zu den häufig diskutierten beziehungsweise etablierten Einsatzbereichen gehören beispielsweise:

  • Kalkablagerungen an Schultersehnen,

  • Achillessehnenbeschwerden,

  • Beschwerden der Patellasehne,

  • Tennisellenbogen,

  • Plantarfasziitis beziehungsweise bestimmte Fersenschmerzen,

  • sowie ausgewählte weitere Sehnen- und Sehnenansatzbeschwerden.

Internationale Fachgesellschaften führen mehrere chronische Tendinopathien, darunter Kalkschulter, Tennisellenbogen, Achilles- und Patellasehnenbeschwerden sowie Plantarfasziitis, als etablierte Einsatzbereiche der Stoßwellentherapie auf.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede schmerzende Sehne automatisch mit Stoßwellen behandelt werden sollte.

Die Diagnose allein entscheidet noch nicht über die Therapie.

Warum die genaue Untersuchung vor der Stoßwelle wichtig ist

Ein Schmerz an der Ferse kann aus unterschiedlichen Strukturen entstehen. Ein schmerzender Ellenbogen muss nicht immer dieselbe Ursache haben. Und auch eine Kalkablagerung im Röntgenbild erklärt nicht automatisch die gesamte Beschwerdesituation.

Deshalb steht in meiner Praxis vor der Behandlung die medizinische Einordnung.

Ich prüfe unter anderem:

  • Welche Struktur ist wahrscheinlich beteiligt?

  • Wie lange bestehen die Beschwerden?

  • Gibt es eine akute oder länger bestehende Gewebeveränderung?

  • Welche Bewegungen oder Belastungen provozieren die Beschwerden?

  • Wie belastbar ist die Region aktuell?

  • Und welches Ziel möchten Sie wieder erreichen?

Erst daraus entscheide ich, ob eine Stoßwellentherapie sinnvoll erscheint und welche Form eingesetzt werden kann.

Was passiert im Gewebe?

Stoß- beziehungsweise Druckwellen erzeugen mechanische Reize im behandelten Gewebe.

Welche biologischen Mechanismen daraus im Menschen im Einzelnen entstehen und welche davon für den therapeutischen Nutzen entscheidend sind, ist weiterhin Gegenstand der Forschung. Gerade deshalb würde ich die Wirkung nicht mit einfachen Aussagen wie „Die Stoßwelle aktiviert die Selbstheilung“ oder „sie lässt neues Gewebe wachsen“ beschreiben.

Viel sinnvoller ist die klinische Perspektive:

Die Stoßwellentherapie kann bei ausgewählten Beschwerden eingesetzt werden, um Schmerzen und Funktion therapeutisch zu beeinflussen und den weiteren Belastungsaufbau zu unterstützen.

Die wissenschaftliche Evidenz unterscheidet sich dabei erheblich nach Beschwerdebild und Behandlungsprotokoll. NICE bewertet die Wirksamkeitsdaten beispielsweise für Achillessehnenbeschwerden und Tennisellenbogen weiterhin als uneinheitlich beziehungsweise begrenzt. Auch bei der Kalkschulter werden weitere hochwertige Daten gefordert.

Kalkschulter: Wenn Ablagerungen zum Problem werden

Bei einer Kalkschulter befinden sich Kalkablagerungen in einer oder mehreren Sehnen der Rotatorenmanschette.

Diese Ablagerungen können völlig unbemerkt bleiben. Sie können aber auch mit Schmerzen, eingeschränkter Beweglichkeit oder Belastungsproblemen verbunden sein.

Gerade hier ist die Unterscheidung zwischen fokussierter und radialer Behandlung wichtig. Für die Behandlung von Kalkablagerungen empfiehlt die internationale Stoßwellengesellschaft aufgrund der vorhandenen wissenschaftlichen Daten insbesondere fokussierte Verfahren mit entsprechend geeigneter Energie.

Das Ziel ist jedoch nicht einfach, ein Röntgenbild „kalkfrei“ zu machen.

Entscheidend ist, wie sich Ihre Schulter bewegt, welche Strukturen tatsächlich Beschwerden verursachen und welche Funktion Sie wieder erreichen möchten.

Sehnenbeschwerden: Nicht nur beruhigen, wieder belastbar machen

Bei Achillessehne, Patellasehne oder Sehnenansätzen am Ellenbogen zeigt sich besonders deutlich, warum eine Behandlung nicht an der Schmerzreduktion enden sollte.

Eine Sehne muss Belastung übertragen können.

Schonung kann einen gereizten Bereich zunächst entlasten. Für die langfristige Belastbarkeit spielt anschließend jedoch der kontrollierte Wiederaufbau eine entscheidende Rolle.

Eine Stoßwellenbehandlung kann deshalb – wenn sie zum Befund passt – ein Baustein des Behandlungswegs sein.

Danach stellt sich die wichtigere Frage:

Was muss die Sehne wieder können?

Gehen? Laufen? Springen? Greifen? Krafttraining? Tennis spielen?

An diesem Ziel orientiert sich der weitere Aufbau.

Muskeln und Faszien: Radiale Druckwellen gezielt einsetzen

Radiale Druckwellen können auch flächiger an Muskel- und Faszienbereichen eingesetzt werden.

In meiner Praxis können dafür je nach Situation unterschiedliche Applikatoren verwendet werden. Entscheidend ist auch hier nicht die möglichst umfassende Behandlung des gesamten Körpers, sondern die Frage, welche Region für das konkrete Bewegungsproblem relevant ist.

Ich vermeide deshalb pauschale Aussagen wie „Faszienverklebungen werden gelöst“ oder „blockierte Wirbel werden mit Stoßwellen befreit“.

Medizinisch sinnvoller ist:

Bewegung untersuchen, relevante Muskel- und Gewebebereiche identifizieren, gezielt behandeln und anschließend prüfen, ob sich Funktion und Belastbarkeit verändern.

Wie läuft eine Stoßwellenbehandlung ab?

Vor der ersten Anwendung steht die Untersuchung.

Ist die Stoßwellentherapie für den Befund sinnvoll, wird der zu behandelnde Bereich bestimmt. Ein Kontaktgel ermöglicht die Übertragung der Druckimpulse über das Handstück.

Je nach Befund können Intensität, Impulszahl, Technik und Behandlungsregion unterschiedlich gewählt werden.

Während der Anwendung können die Impulse deutlich spürbar und insbesondere an empfindlichen Bereichen auch unangenehm sein. Die Behandlung sollte deshalb individuell dosiert werden.

Wie viele Anwendungen erforderlich sind, lässt sich nicht pauschal für jeden Patienten festlegen. Behandlungsprotokolle unterscheiden sich je nach Indikation, Verfahren und Ausgangssituation; auch Fachgesellschaften weisen ausdrücklich darauf hin, dass individuelle Verläufe unterschiedliche Behandlungsumfänge erfordern können.

Muss Stoßwellentherapie immer mit Osteopathie kombiniert werden?

Nein. Eine Stoßwellenbehandlung muss nicht grundsätzlich mit Osteopathie kombiniert werden. Entscheidend ist der jeweilige Befund.

In meiner Praxis kann eine funktionelle oder osteopathische Behandlung sinnvoll ergänzen, wenn beispielsweise Beweglichkeit, Belastungsverteilung oder relevante funktionelle Zusammenhänge Teil des Beschwerdebildes sind.

Ebenso können in bestimmten Situationen andere Verfahren oder ein aktives Trainingsprogramm wichtiger sein.

Nicht möglichst viele Methoden. Das Richtige zur richtigen Zeit.

Und was ist mit ACP beziehungsweise Eigenblut?

Auch eine Kombination verschiedener Verfahren ist nicht automatisch besser.

Bei ausgewählten Gelenk- oder Sehnenbeschwerden kann beispielsweise zusätzlich geprüft werden, ob eine ACP-/PRP-Behandlung sinnvoll ist.

Aber auch hier gilt:

Stoßwelle plus ACP ist kein grundsätzlich „synergistisches“ Standardprogramm für jede Entzündung.

Jedes Verfahren muss eine konkrete medizinische Aufgabe übernehmen. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom Gewebe, dem Befund, den bisherigen Behandlungen und dem persönlichen Ziel ab.

Was sagt die Wissenschaft?

Die Stoßwellentherapie wird seit vielen Jahren untersucht und ist für verschiedene orthopädische Erkrankungen unterschiedlich gut wissenschaftlich bewertet.

Die internationale Fachgesellschaft ISMST führt unter anderem Kalkschulter, Tennisellenbogen, Patellar- und Achillessehnentendinopathien sowie Plantarfasziitis als Standardindikationen auf. Gleichzeitig zeigen andere evidenzbasierte Bewertungen, dass die Studienlage je nach Erkrankung heterogen sein kann. NICE beurteilt beispielsweise die Wirksamkeitsnachweise bei Achillessehnentendinopathie und Tennisellenbogen als inkonsistent; bei Kalkschulter hält NICE die Evidenz für die Wirksamkeit ebenfalls noch für unzureichend.

Das ist kein Widerspruch, sondern zeigt, warum man die Stoßwellentherapie nicht pauschal als „hochwirksam“ bewerben sollte.

Die sinnvolle Frage lautet nicht: Wirkt Stoßwelle?

Sondern:

Bei welchem Beschwerdebild, mit welcher Technik, bei welchem Patienten und mit welchem konkreten Ziel kann sie einen sinnvollen Beitrag leisten?

Nicht die Anwendung ist das Ziel – sondern Ihre Bewegung

Eine Stoßwellenbehandlung dauert nur einen begrenzten Zeitraum.

Ihr Alltag findet danach statt.

Deshalb interessiert mich nicht nur, ob eine Region nach einer Behandlung weniger empfindlich ist. Entscheidend ist, was anschließend wieder möglich wird.

Vielleicht möchten Sie:

  • morgens wieder leichter auftreten,

  • den Arm freier bewegen,

  • ohne ständiges Ziehen greifen,

  • wieder längere Strecken laufen,

  • Sport kontrolliert aufnehmen,

  • oder einfach mehr Vertrauen in die Belastbarkeit Ihres Körpers gewinnen.

Wenn die Stoßwellentherapie dafür medizinisch sinnvoll ist, kann sie ein Baustein Ihres Behandlungswegs sein.

Genauso wichtig sind jedoch Bewegung, Belastungssteuerung und – je nach Beschwerde – ein gezielter Kraft- und Funktionsaufbau.

Die Methode folgt Ihrem Befund – nicht umgekehrt

In meiner Praxis geht es nicht darum, für jedes Problem ein technisches Verfahren einzusetzen.

Ich untersuche zunächst, welche Struktur betroffen ist, ordne den Befund ein und entscheide daraus, welche Behandlung eine konkrete Aufgabe übernehmen kann.

Manchmal kann das eine fokussierte Stoßwelle sein. Manchmal eine radiale Behandlung. Manchmal steht zunächst eine ganz andere Maßnahme im Vordergrund.

Das Ziel ist nicht mehr Therapie. Das Ziel ist ein Behandlungsweg, der Sie Schritt für Schritt wieder zu mehr Bewegung und Belastbarkeit führen kann.


Hinweis zur medizinischen Einordnung: Die wissenschaftliche Evidenz zur Stoßwellentherapie unterscheidet sich je nach Erkrankung, behandelter Struktur, verwendeter Technik und Behandlungsprotokoll. Eine Stoßwellentherapie ist nicht für jede Patientin und jeden Patienten geeignet. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.

« Zurück